Wissenswertes über Wolle und Sockenwolle

Garn ist nicht gleich Garn: Mit welcher Wolle lassen sich die besten Socken stricken?

 

Die Auswahl an Handstrickgarnen und Wollsorten ist heutzutage riesig. Kleidung, Taschen, Kissenhüllen, Accessoires: Für jedes Häkel- oder Strickprojekt findet sich theoretisch das passende Garn. Doch nicht mit jeder Wolle gelingt jedes Vorhaben – gerade für selbstgestrickte Socken ist es wichtig, zu einer geeigneten Sockenwolle zu greifen.

Handelsübliches Strickgarn besteht längst nicht mehr allein aus versponnener Schurwolle. Zur Optimierung der Garneigenschaften werden Fasern aus Kunststoff (Polyamid), Baumwolle oder Bambus eingesetzt, um Tragegefühl, Formbeständigkeit und Verarbeitungsqualität zu beeinflussen. Gerade die Beständigkeit der Form ist bei Sockenwolle ein wichtiges Thema, denn wenn Sie Ihre gestrickten Socken mehrmals gewaschen haben, müssen sie noch immer dieselbe Form haben wie am Anfang. Aus diesem Grund sollte Sockenwolle immer ein Materialmix sein, üblicherweise aus 75 % Schurwolle und 25 % Polyamid. Schurwolle nimmt Feuchtigkeit auf, ist atmungsaktiv und beugt somit unangenehmen Gerüchen vor. Polyamid macht das Strickwerk formstabil.

Die wohl bekannteste Polyamidfaser ist Nylon: Sie wurde 1937 patentiert und war die erste komplett synthetische Faser, die ausschließlich aus Kohlenstoff, Wasser und Luft hergestellt werden konnte. Zunächst diente Nylon vor allem der Zahnbürsten-Produktion, doch mit der Markteinführung der sogenannten Nylonstrümpfe im Mai 1940 begann die Erfolgsgeschichte von Nylon als Textilfaser, die bald in allen möglichen Kleidungsstücken verarbeitet wurde. Zwar mutet es vielleicht seltsam an, in selbstgestrickte Socken eine Faser einzuwirken, die künstlich aus Kohlenstoff und Wasser erzeugt wird – die vergleichsweise geringe Menge an Polyamidfasern im fertigen Garn ist aber im Strickwerk kaum haptisch spürbar, sondern macht sich hauptsächlich durch ihre stabilisierenden Eigenschaften bemerkbar. Manche Garne weisen auch einen höheren Anteil an Kunstfaser auf, doch ab ca. 40 % Polyamid-Anteil verringern sich Atmungsaktivität und Feuchtigkeitsaufnahme der Wolle deutlich. Dafür nimmt die Stabilität weiter zu, die Socken werden also noch länger haltbar.

Wer auf Schafwolle allergisch reagiert, kann statt Schurwolle Alternativen aus Baumwolle wählen, diese haben gleichzeitig einen angenehm kühlenden Effekt auf der Haut und sind somit vor allem für Sommersocken optimal. Auch Wolle aus Bambus erfreut sich wachsender Beliebtheit, denn sie kann viel Feuchtigkeit aufnehmen und soll eine antibakterielle Wirkung haben. Da Bambusfasern nur eine geringe Länge aufweisen, sind allerdings aufwändige chemische Verfahren nötig, um aus Bambus einen brauchbaren Faden herzustellen. Wer es so natürlich wie möglich mag, ist mit einem Mix aus klassischer Schurwolle daher doch am besten beraten. Werfen Sie vor dem Kauf auf jeden Fall einen Blick auf die Herkunft der Wolle: Einige Hersteller arbeiten vorrangig mit deutschen Schäfereien zusammen, was kurze Transportwege ermöglicht und so die Umwelt entlastet.

Je nach gewünschter Garnstärke erhalten Sie Sockenwolle als 4-fädiges, 6-fädiges oder 8-fädiges Garn. Für leichte Strümpfe im Frühling empfiehlt sich das feinere 4-fädige Sockengarn, während Sie für kuschelige Wintersocken besser zu dickerem Garn greifen. Für die grundlegenden Eigenschaften der Socken, also Formstabilität, Atmungsaktivität, Waschbarkeit und Tragegefühl ist jedoch vor allem der Materialmix ausschlaggebend und weniger die Anzahl der versponnenen Fäden.

 

Wenn nun nicht jede Wolle zu guten Socken verarbeitet werden kann – kann denn jede Sockenwolle zu gutem Strickwerk verarbeitet werden? Absolut, denn Strumpfgarn ist äußerst vielseitig. Ein beliebter Einsatzzweck neben Socken und Strümpfen sind beispielsweise Handschuhe, die sich sehr gut aus Sockenwolle herstellen lassen. Auch größere Kleidungsstücke wie Pullover und Strickjacken ziehen ihren Nutzen aus den guten Wolleigenschaften. Und natürlich können Sie aus Sockengarn auch Strickstücke herstellen, die nicht oft gewaschen werden und für die beispielsweise die Formbeständigkeit nicht in erster Linie relevant ist, zum Beispiel Kissenbezüge, Tagesdecken, Stulpen oder Handyhüllen. Ihrer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt!

Beim Kauf der Wolle für Ihre nächste Strickarbeit ist vor allem wichtig, dass das Garn alle Eigenschaften erfüllt, die das anspruchsvollste Strickwerk an die Wolle stellt: Socken haben in diesem Sinne recht hohe Ansprüche, denn eingelaufene oder ausgeleierte Strümpfe landen schnell ganz unten in der Schublade. Es lohnt sich daher, die Zusammensetzung und die Herkunft der Materialien im Sockengarn vor dem Kauf genau zu prüfen. Alle anderen Strickprojekte können von hochwertiger Sockenwolle dann ebenfalls nur profitieren.